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Vereins-Chronik des Oberbayrischen Volkstrachtenverein Augsburg-Lechhausen e.V.

 

 

Es kann heute nicht mehr genau festgestellt werden, wann sich die ersten Ansiedlungen von Lechhausen gezeigt haben, es ist aber anzunehmen, dass dies bereits lange vor der ersten Jahrtausendwende war. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Lechhausen aus den Aufzeichnungen eines Chronisten im Jahre 1130. Besonders erwähnenswert ist, dass im Jahre 1469 die Angliederung Lechhausens aufgrund eines Erlasses des damaligen Kaisers an das Landgericht Friedberg in Bayern erfolgte. Aufgrund des schnellen Wachstums von Lechhausen, dem damals größten Dorf Oberbayerns, erfolgte am 1. Januar 1900 die Erhebung zur Stadt.

In diese Zeit fiel im Jahre 1905 die Gründung des Trachtenvereins Lechhausen. Geschäftsleute, Handwerker und Arbeiter gründeten nach dem Vorbild des Lehrer Vogl den Gebirgstrachten-Erhaltungsverein "D'Partnachtaler". Einige der Gründer sind aus dem Oberland gekommen und haben in der Stadt Arbeit gesucht und gefunden. Für sie war der Trachtenverein ein Stück Heimat, wenn sie bei Ihren Zusammenkünften die gewohnte Musik hören, Lieder singen und Schuhplatteln konnten. Vielleicht hat mancher dabei das Heimweh vergessen. Bald war der Verein auf 25 Mitglieder angewachsen und schloss sich dem "Gauverband 1" als Dachorganisation an..

 

Im Jahr 1908 erhielt der Verein eine Einladung nach München zu einem Trachtenaufmarsch. Ein Fahnenband legt heute dafür noch Zeugnis ab. Dabei wurde das Fehlen einer Fahne deutlich und die Mitglieder entschlossen sich, eine Fahne anzuschaffen. Aufgrund fehlender Mittel wurde diese Fahne mit dem Motiv vom "Schmied von Kochel" als Symbol aus einem Bettlaken selbst gefertigt. Diese Fahne ist heute noch erhalten. Als Gründer und erste Mitarbeiter aus dieser Zeit sind die Namen Josef Löhle, Johann Auer, Jakob Koch, Vitus Altheimer sen. sowie Hugo und Maria Schäffler bekannt.

 

In Augsburg und Umgebung hatten sich zwischenzeitlich mehrere Trachtenvereine gebildet und so konnte das 5-jährige Bestehen im größeren Rahmen gefeiert werden. Nach diesem Fest schloss sich Lechhausen dem inzwischen gegründeten und näherliegenden "Landesverband der Heimat- und Volks-trachtenvereine" an. 

 

1913 übernahm der Schlierseer Hans Schötz die Vereinsführung. In seine Zeit fiel die Umbenennung in "Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D'Schlierseer" und die Enthüllung einer neuen Fahne am 28.Juni 1914. Pate zur neuen Fahne war der in München ansässige Verein "Werdenfelser Stamm". Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verhinderte jedoch buchstäblich in letzter Minute die Weihe der Fahne. 

                                   

                                         Festjungfrauen, Fähnrich und Fahnenbegleiter anlässlich der Fahnenweihe am 28.06.1914     

                       

Das Vereinsleben brachte er fast zum Erliegen. Nur dem Zusammenhalt der zuhause gebliebenen Frauen und einiger älterer Männer war es zu verdanken, dass sich der Verein in seiner Substanz erhalten hat. Sie führten Theaterabende durch und unterstützen mit dem Erlös die ins Feld gezogenen Vereinsmitglieder. Einen besonderen Anteil hieran hatte Andreas Mayer, der auch veranlasste, dass den Frontsoldaten die bereits erscheinende Trachtenzeitung übersandt wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg fanden sich die Mitglieder alsbald wieder zum Neuanfang zusammen. 1919 wurden die Geschicke des Vereins in die Hände von Gottlieb Preitauer gelegt. Bereits im Jahre 1920 wurde der heutige "Altbayrisch-Schwäbische Gauverband" - zunächst als "Vereinigung der Heimat- und Volkstrachtenvereine Augsburg und Umgebung" gegründet. Die gewählten Lechhauser Gottlieb Preitauer als Vorstand, Emeran Ettl als Kassier und Josef Dump als Schriftführer hatten daran großen Anteil.

 

Dem Verein selbst wurde die Durchführung des 1. Vereinigungsfestes übertragen. Die 10.000 Personen fassende Sängerhalle in Augsburg war am 2. und 3. Oktober 1920 bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus dieser Demonstration für die Trachtenbewegung wurde in der Folgezeit in mittel- und nordschwäbischen Raum eine Reihe von Trachtenvereinen gegründet, die sich vor allem auch der Pflege der bodenständigen schwäbischen Tracht widmeten. Buchstäblich in letzter Minute sprangen die Lechhauser Trachtler 1925 zur Durchführung des Gaufestes ein. 52 Vereine legten am 4. und 5. Juli 1925 Zeugnis über die Kameradschaft innerhalb der Trachtenbewegung ab. 

 

Musikalisch wurde der junge Trachtenverein bei vielen Gelegenheiten von der Blaskapelle der Gemeinde Stätzling begleitet, manchmal allerdings mit Schwierigkeiten, denn die Musiker stammten überwiegend aus landwirtschaftlichen Betrieben und waren somit nicht immer abkömmlich. Es wurde deshalb der Beschluss gefasst, eine eigene Trachtenkapelle zu gründen. Mehrere Kameraden um Martin Hecht, Andreas Sailer, Hans Schröther und Karl Kohler fanden sich bereit, ein Instrument zu lernen. Unter Mithilfe des Besitzers des damaligen Vereinslokals "Paradiesgarten" konnten mehrere Instrumente beschafft werden und bald wuchs die Kapelle auf eine Stärke von 12 Mann an. Die Gründung der Lechhauser Trachtenkapelle bedeutete auch die erste Gründung einer solchen im Altbayrisch -Schwäbischen Gauverband. Den Brüdern Josef und Xaver Eichner war es auch zu verdanken, dass die ersten Noten für Plattler und Tänze geschrieben wurden. Bald verschaffte sich die Kapelle einen guten Ruf und wurde seither oft als Festmusik bei Gaufesten und dergleichen verpflichtet. Während des nunmehr 80-jährigen Bestehens lag die Leitung der Kapelle in den Händen der Kameraden Eichner, Gold, Breunig sen. , Göschl, Engelhardt, Fischer, Korn, Seitz, Jakobs, Butz, Breunig, Pahl, Pelta, Trometer, Breusch und zur Zeit des 80 jährigen Jubiläums in den Händen von Heinrich Deschu. 

                                                   

                                                                                                        Trachtenkapelle Lechhausen 1928

 

Mit rund 70 aktiven Mitgliedern wurde 1928 das 40-jährlige Gründungsfest des GTEV in Schliersee besucht, doch die Wirtschaftskriese nagte am Vereinsleben. Beiträge konnten oft nicht mehr entrichtet, Vereinsabende nicht mehr beucht werden. Trotzdem wurde im kleineren Rahmen am 30. Mai 1930 das 25--jährige Vereinsbestehen gefeiert.

Die Gleichschaltung der Vereine aufgrund Gesetze des dritten Reiches war für den Verein keine glückliche Zeit. Die Vereinsführung durch den damaligen Ortsgruppenleiter Dössinger war indiskutabel, er wurde im April 1934 abgesetzt und aus dem Vereinslokal verwiesen. Die Vereinsführung übernahm Hans Hinterbrandner sen. In dieser Zeit wechselte der Verein in die Gaststätte "Kirchenwirt", wo er für mehr als 50 Jahre seine Heimat fand. 

 

Der 2. Weltkrieg brachte einen fast völligen Stillstand des Vereinslebens, der Verein erlitt schwere Verluste. Eine große Anzahl von Mitgliedern musste ihr Leben lassen, viele verloren Hab und Gut, wertvolles Notenmaterial und Musikinstrumente gingen verloren. Dass die Fahnen und anderes Vereinsmaterial diese schlimme Zeit überstanden haben, war dem Mut von einigen Mitgliedern, allen voran Hans Hinterbrandner sen. zu verdanken. Am 12. Mai 1946 konnte erstmals wieder eine Versammlung abgehalten werden. Sebastian Gastl wurde zum 1. Vorstand gewählt, die Mitglieder widmeten sich dem Wiederaufbau des Vereins. Im Oktober 1951 löste Hans Hinterbrandner jun. den nur kurz amtierenden Sebastian Rabenberger in der Vereinsführung ab. In seine Amtszeit fielen die Umbenennung des Vereins in "Oberbayrischer Volkstrachtenverein Augsburg--Lechhausen"., die Weihe einer neuen Fahne am 5. Juli 1953 und die Durchführung des Gaufestes vom 17. bis 19. Juni 1955. Beide Feste waren Meilensteine in der Geschichte des Vereins. Die Freundschaft zum Patenverein "Edelweiß Landsberg" hatte sehr lange Bestand. Das alljährliche Sänger- und Musikantentreffen wurde auf Initiative von Hans Hinterbrandner ins Leben gerufen und erstmals am 2. Oktober 1954 in Lechhausen durchgeführt. Als er nach fast 20-jährliger Amtszeit als Vorstand zurücktrat, wurde er für seine Verdienste um den Verein zum Ehrenvorstand ernannt. Die Führung des Vereins übernahm am 3. Oktober 1970 sein Sohn Gerhard Hinterbrandner - mit 23 Jahren der damals jüngste Vereinsvorstand.                                                

                                                                                           Gerhard Hinterbrandner

 

Bald nach der Amtsübernahme rüstete sich der Verein zur Feier des 70. Geburtstages, festlich begangen mit einem Bezirksfest vom 25. bis 29. Juni 1975. Es folgte die Ausrichtung des 25. Gauvolksliedersingens am 10. April 1976 in der Kongresshalle in Augsburg und die Durchführung des 53. Gautrachtenfestes vom 19. bis 28. 1981. Hier zeigte sich die besondere Leistungsfähigkeit und der Zusammenhalt der Lechhauser Trachtler, denn die 10 Festtage wurden in völliger Eigenregie und Selbstbewirtschaftung durchgeführt. Regen Anteil hat der Verein auch bei der seit 1977 erfolgenden Aufstellung eines Maibaums - mitten im Stadtgebiet mit großen Schwierigkeiten verbunden. Das erfolgreiche Bemühen des Vereins um die Wiederbelebung und Erhalt des Brauchtums kam auch beim 1. Adventssingen in der Stadtpfarrkirche St. Pankratius am 20. Dezember 1980 zum Ausdruck. Dieses Adventssingen findet seither alle zwei Jahre statt und erfreut sich großen Zuspruchs. 

Leider Musste der im Jahr 1970 erstmals in Lechhausen durchgeführte Gaujungendtag nach wenigen Jahren eingestellt werden, da sich keine Vereine mehr bereit fanden, die enormen Kosten und Mühen auf sich zu nehmen. Diese Veranstaltung wird nunmehr in den Bezirken in kleinerem Rahmen durchgeführt. 

Nicht vergessen werden darf der enge Kontakt zur Jugendarbeit im Stadtjugendring Augsburg und dessen Dachorganisation. Daraus resultieren viele Begegnungen mit anderen, auch ausländischen Jugendgruppen. Vor allem der in den Jahren 1987 bis 1991 erfolgte internationale Jugendaustausch mit der polnischen Volkstanzgruppe "Powisle" sei hier hervorgehoben. Keiner der Teilnehmer wird den Augenblick vergessen, als wir am 1. September 1988, genau 50 Jahre nach Kriegsbeginn um 12 Uhr Mittag am Ehrenmal des KZ Majdanek die mahnenden Glocken vernahmen. Der Zusammenbruch des Kommunismus im Osten und die damit verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten beendeten die offiziellen Beziehungen - trotz geöffneter Grenzen. Die freundschaftlichen Kontakte zwischen den Familien bestanden jedoch lange darüber hinaus. 

Das 90-jährige Vereinsbestehen wurde mit dem 67. Gautrachtenfest gefeiert. Zu diesem Anlass wurde die Gaustandarte in der Pfarrkirche St. Pankratius geweiht. Leider war der Wettergott diesem Fest nicht wohlgesonnen, das bei eisiger Kälte und viel Regen stattfand. Nach 25-jähriger Amtszeit übergab der 1. Vorstand Gerhard Hinterbrandner aus gesundheitlichen Gründen kommissarisch sein Amt an seinen Sohn, dem 2. Vorstand Martin Hinterbrandner, der dann im Oktober 1996 als 1. Vorstand gewählt wurde.                                        

Um das Erbe unserer Gründer zu erhalten, wurde Mitte der 80er Jahre die Fahne von 1914 renoviert. Auf Betreiben von Gerhard Hinterbrandner wurde im Jahr 1996 die 1. Vereinsfahne von 1908 durch die Fa. Kössinger in mühevoller Kleinarbeit neun Monate restauriert. Hierbei konnten einige Orginalteile, wie das gemalte Bild des Schmieds von Kochel, erhalten werden. Andere wurden Orginalgetreu nachgearbeitet. Im April 1997 konnte dieses kleine Stück Vereins- und auch Ortsgeschichte im 89. Jahr endlich ihren kirchlichen Segen erhalten. Dieses Fest wurde im kleinen Rahmen nur mit den zwei Patenvereinen und fünf Patenkindern gefeiert.

Im Rahmen dieses Festes wurde Hans Hinterbrandner jun. zum Altehrenvorstand und Gerhard Hinterbrandner zum Ehrenvorstand des Vereins ernannt. Finanziert wurde die Renovierung durch zum Teil großzügige Spenden von Vereinsmitgliedern und der Einrichtung unseres "Fahnensackls". Aus diesen Einnahmen wurden im Laufe der nächsten Jahre auch die Renovierung der Fahne von 1953 und der Fahnenbänder finanziert.  

Im Mai 2000 zu unserem 95-jährigen Bestehen wurde eine große Trachtenausstellung über die Vereinsgeschichte in der Augusta-Bank organisiert, die sehr detailliert und aufwändig gestaltet wurde. Viele Inventarstücke und Bilder aus dem Vereinsbestand und der Mitglieder wurden hierzu gesammelt. Ein historischer Schatz, der für den ganzen Stadtteil von Interesse ist. 

Trotz der Schwierigkeiten, welche sich nach dem Verkauf des langjährigen Vereinslokals "Kirchenwirt" durch die Brauerei ergaben, hat der Verein im gesellschaftlichen Leben von Lechhausen seinen festen Platz. So erfreuen sich die jährlich im Frühjahr und Herbst stattfindenden Heimatabende bei der Bevölkerung größter Beliebtheit. Sänger, Theaterspieler, Jugend- und aktive Gruppen, Flöten-, Ziach- und Stubnmusi sowie die Blaskapelle zeigen die ganze Bandbreite bayerischen Brauchtums. Auch der traditionelle Frühschoppen zum Jahresbeginn lässt sich aus dem kulturellen Leben Lechhausens nicht mehr fortdenken. Seit dem Jahre 2003 lies unsere Trachtenkapelle nach einer "alten Lechhauser Tradition" den Bürger- und Bauernball im Fasching wieder aufleben, der regen Zuspruch fand. Die neue Vereinsheimat war dabei nach dem "Kirchenwirt" im "Saalbau Krone", wo bis dahin bereits immer die Heimatabende stattfanden. Durch häufige Wirtswechsel wurde der Verein genötigt, des öfteren andere Lokalitäten aufzusuchen und die Jugendproben zeitweise im Trachtenheim der Hammerschmiede bzw. im Jugendzentrum abzuhalten. Nicht nur Kostengründe, sondern auch der Wunsch nach einer festen, eigenen Bleibe für die Vereinsaktivitäten stellten den Verein auf eine Zerreißprobe..

Im Dezember 1999 übernahm unser Verein als Unterpächter in Eigenregie den Saal und den dazugehörigen Ausschank als festes Vereinsheim. Nachdem auch der letzte Pächter der Brauerei den Rücken kehrte, schien auch die Bleibe des Vereins im "Saalbau Krone" am Ende. Nach langen Verhandlungen und reifen Überlegungen wurde im Januar 2002 der Pachtvertrag mit der Brauerei Riegele als "Trachtenheim Saalbau Krone" unterzeichnet. Hier hat der Verein wieder eine echte Heimat gefunden. Dank dem Einsatz vieler einzelner, vor allem von Marianne Hinterbrandner, die federführend und professionell unser Heim führte. 

Im März 2001 führte der Gau sein 50. Volksliedersingen in unserem Vereinsheim durch. Während seines 100-jährigen Bestehens wurde der Verein auch sechs mal gerufen, um bei Brudervereinen anlässlich der Fahnenweihe die Patenschaft zu übernehmen. Es waren dies die Vereine Berglerburschen Augsburg, Edelweiß Augsburg, Heimat- und Volkstrachtenverein Gersthofen, Donautaler Neuburg zur 1. und 2. Fahne Brenztäler Heidenheim und Waldbuam Ichenhausen.

 

2005 feierte der Verein vom 13. bis 17. Mai sein 100-jähriges Bestehen im Zuge des 77. Gaufestes. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein ca. 100 Mitglieder. 

 

                                                                             Trachtenverein Augsburg Lechhausen zum 100-jährigen Bestehen (2005) 

 

Bis heute und auch in der Zukunft widmet sich der Trachten Verein Augsburg-Lechhausen weiterhin der Pflege des Brauchtums und der Erhaltung von Sitte und Tracht zum Wohl unserer Heimat, getreu unserem Wahlspruch:

 

"Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten"